Meditation

Meditation

Die Geistesschulung auf dem Edlen achtfachen Pfad nannte der Buddha auch Bhavana. Der Ausdruck »Bhavana« bedeutet das entfalten, pflegen und üben von fünf in uns angelegten Qualitäten, nämlich: Vertrauen, Energie, Achtsamkeit, Konzentration und Weisheit zur Entwicklung des Geistes. Das Wort »Meditation« –von lateinisch meditatio, zu meditari „nachdenken, nachsinnen, überlegen“– bezieht sich nur auf die erste Stufe der Sammlung wie nachfolgend beschrieben. 

Bhavana ist im buddhistischen Sinn eine Geistes-Entwicklung. Sie reinigt den Geist von unreinen und störenden Einflüssen (Befleckungen) wie Begehren, Wut, Hass, Angst, Zweifel, Sorgen, Trägheit, Faulheit, Unruhe und ähnliche negative Gefühle, Gedanken und Vorstellungen. Dagegen entfaltet, übt und vollendet bhavana: Achtsamkeit, Konzentration, Ausdauer, Willenskraft, Urteilskraft, Freude, innere Ruhe, sowie die Fähigkeit, die Dinge zu erkennen, wie sie wirklich sind (zweite Stufe der Sammlung).

Achtsamkeit und Wissensklarheit als dritte Stufe führen schließlich zur vierten Stufe, der völligen Befreiung durch das Versiegen der Triebe (Unwissenheitstrieb, Daseinstrieb und Sinnentrieb),

Aṅguttara Nikāya
Das Vierer-Buch
41. Die Entfaltung der Geistessammlung (Samā­dhi­bhāva­nā­sutta)

Vier Entfaltungen der Geistessammlung (samādhi-bhāvanā) gibt es, ihr Mönche. Welche vier?

Es gibt, ihr Mönche, eine Entfaltung der Sammlung, die, geübt und beharrlich gepflegt,

1. zu gegenwärtigem Wohlsein führt.
2. zur Erlangung des Erkenntnisblickes führt.
3. zur Achtsamkeit und Wissensklarheit führt.
4. zur Versiegung der Triebe führt.

Welche Entfaltung der Sammlung aber, ihr Mönche, führt, geübt und beharrlich gepflegt, zu gegenwärtigem Wohlsein?

(Erste Vertiefung - Jhana)
Da gewinnt der Mönch, ganz abgeschieden von den Sinnendingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, die mit Gedankenfassen und Überlegen verbundene, in der Abgeschiedenheit geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung und verweilt in ihr.

(Zweite Vertiefung - Jhana)
Nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegen gewinnt er den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassen und Überlegen freie, in der Sammlung geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung und verweilt in ihr.

(Dritte Vertiefung - Jhana)
Nach Loslösung von der Verzückung weilt er gleichmütig, achtsam, klar bewußt, und ein Glücksgefühl empfindet er in seinem Inneren, von dem die Edlen künden: ‚Der Gleichmütige, Achtsame weilt beglückt‘; so gewinnt er die dritte Vertiefung und weilt in ihr.

(Vierte Vertiefung - Jhana)
Nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem schon früheren Erlöschen von Frohsinn und Trübsinn, gewinnt er die leidlos-freudlose, in der völligen Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit bestehende vierte Vertiefung und weilt in ihr.

Dies gilt als jene Entfaltung der Sammlung, die, geübt und beharrlich gepflegt, zu gegenwärtigem Wohlsein (die ersten vier Jhana) führt.

Welche Entfaltung der Sammlung aber, ihr Mönche, führt, geübt und beharrlich gepflegt, zur Erlangung des Erkenntnisblickes. (ñānadassana bezeichnet hier das ‚himmlische Auge‘, die vierte höhere Geistesfähigkeit‘ abbiññā)?

Da richtet der Mönch seine Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung des Lichtes (āloka saññā), heftet seinen Geist auf die Wahrnehmung des Tages; wie bei Tage, so des Nachts, und wie des Nachts, so bei Tage. So entfaltet er mit wachem, ungetrübtem Geiste einen von Helligkeit erfüllten Bewußtseinszustand. (sappabhāsam cittam; K: durch die Leuchtkraft der mit dem ‚himmlischen Auge‘ verbundenen Erkenntnis).

Dies gilt als jene Entfaltung der Sammlung, die, geübt und beharrlich gepflegt, zur Erlangung des Erkenntnisblickes führt.

Welche Entfaltung der Sammlung aber, ihr Mönche, führt, geübt und beharrlich gepflegt, zur Achtsamkeit und Wissensklarheit?

Da steigen dem Mönche die Gefühle bewußt auf, bewußt bestehen sie und bewußt lösen sie sich auf.
Bewußt steigen ihm die Wahrnehmungen auf, bewußt bestehen sie und bewußt lösen sie sich auf.
Bewußt steigen ihm die Gedanken auf, bewußt bestehen sie und bewußt lösen sie sich auf.
Dies gilt als jene Entfaltung der Sammlung, die, geübt und beharrlich gepflegt, zu Achtsamkeit und Wissensklarheit führt.

Welche Entfaltung der Sammlung aber, ihr Mönche, führt, geübt und beharrlich gepflegt, zur Versiegung der Triebe?

(Khandhas: Körper und Geist nebst Bewusstsein)
Da verweilt der Mönch in der Betrachtung des Entstehens und Vergehens bei den fünf Gruppen des Anhaftens:

‚So ist die Körperlichkeit, so die Entstehung der Körperlichkeit, so die Auflösung der Körperlichkeit;
so ist das Gefühl, so die Entstehung des Gefühls, so die Auflösung des Gefühls;
so ist die Wahrnehmung, so die Entstehung der Wahrnehmung, so die Auflösung der Wahrnehmung;
so sind die Gestaltungenso die Entstehung der Gestaltungen, so die Auflösung der geistigen Bildekräfte;
so ist das Bewußtsein, so die Entstehung des Bewußtseins, so die Auflösung des Bewußtseins.‘

Dies gilt als jene Entfaltung der Sammlung, die, geübt und beharrlich gepflegt, zur Versiegung der Triebe führt.

Diese vier Entfaltungen der Geistessammlung gibt es, ihr Mönche.

Dies aber habe ich mit Bezug hierauf bezüglich Punnakas Frage im ‚Wege zum anderen Ufer‘ erwidert:

(Gleichmut: frei von Gier, Hass und Verblendung)
»An wen nichts in der Welt mehr rühren kann, 
da ihre Tiefen, ihre Höhen er ergründet, 
der still und klar ist, unverstört und wunschlos, 
Geburt und Altern hat er überwunden, sag‘ ich.«

Ein Arahant wird man durch die Überwindung der Triebe (Unwissenheitstrieb, Daseinstrieb und Sinnentrieb). Deshalb ist die vierte Variante auch die wichtigste Übung zum Ende von Dukkha, dem Erwachen, Nirvana. Darum lehrt der Buddha die Khandha (Körper und Geist nebst Bewusstsein) wie folgt zu betrachten:

„Das ist nicht mein; das bin ich nicht; das ist nicht mein Selbst“

Wie dies genau zu üben ist beschreibt der Buddha nachfolgend:

Saṃyutta Nikaya 22
Die Daseinsgruppen
5. Samādhisutta

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Sāvatthī, im Jeta-Hain, im Kloster des Anāthapindika.

Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: „Ihr Mönche!“—„Ja, o Herr“, antworteten jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene nun sprach also:

„Entfaltet Sammlung, ihr Mönche! Geistig gesammelt, ihr Mönche, erkennt der Mönch der Wirklichkeit gemäß.

Was nun erkennt er der Wirklichkeit gemäß?

(Erste edle Wahrheit: Körper und Geist nebst Bewusstsein sind vergänglich)
Der Körperlichkeit Entstehung und Ende,
des Gefühls Entstehung und Ende,
der Wahrnehmung Entstehung und Ende,
der Gestaltungen Entstehung und Ende,
des Bewusstseins Entstehung und Ende.

(Zweite edle Wahrheit: Ursache von Dukkha ist der im Nicht-Wissen wurzelnde Durst nach Dasein und sinnlichem Erleben)
Was nun, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Entstehung, des Gefühls Entstehung, der Wahrnehmung Entstehung, der Gestaltungen Entstehung, des Bewusstseins Entstehung?

Da, ihr Mönche, ergötzt man sich, heißt es willkommen, ist zugeneigt. Woran ergötzt man sich, was heißt man willkommen, wem ist man zugeneigt?

An der Körperlichkeit ergötzt man sich, sie heißt man willkommen, ihr ist man zugeneigt. Dem, der sich an der Körperlichkeit ergötzt, sie willkommen heißt, ihr zugeneigt ist, entsteht Ergötzen. Was da nun Ergötzen an der Körperlichkeit ist, das ist das Anhangen (upādāna). Durch dieses Anhangen bedingt ist Werden (in einem der Daseinsbereiche gemäß den karmischen Dispositionen); durch Werden bedingt ist Geburt (in Erscheinung treten); durch Geburt bedingt ist Altern und Sterben, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zur Entstehung dieses leidvollen Körper und Geist nebst Bewusstsein (duk­khak­khan­dhassa).

Am Gefühl—an der Wahrnehmung—an den Gestaltungen—am Bewusstsein ergötzt man sich... (wie oben).

Dies, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Entstehung, des Gefühls Entstehung, der Wahrnehmung Entstehung, der Gestaltungen Entstehung, des Bewusstseins Entstehung.

(Dritte Edle Wahrheit: das Ende von Dukkha ist das Ende der Wiedergeburten durch Überwindung der Triebe:
Unwissenheitstrieb, Daseinstrieb u. Sinnentrieb)

Was nun, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Ende, des Gefühls Ende, der Wahrnehmung Ende, der Gestaltungen Ende, des Bewusstseins Ende?

Da ergötzt man sich nicht an der Körperlichkeit, heißt sie nicht willkommen, ist ihr nicht zugeneigt. Dem, der sich nicht an der Körperlichkeit ergötzt, sie nicht willkommen heißt, ihr nicht zugeneigt ist: was da Ergötzen an der Körperlichkeit ist, das kommt zur Aufhebung. Durch Aufhebung des Ergötzens kommt es zur Aufhebung des Werdens, durch Aufhebung des Werdens kommt es zur Aufhebung der Geburt, durch Aufhebung der Geburt kommt es zur Aufhebung von Altern und Sterben, von Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zur Aufhebung dieses leidvollen Körper und Geist nebst Bewusstsein (duk­khak­khan­dhassa)..

Da ergötzt man sich nicht am Gefühl—an der Wahrnehmung—an den Gestaltungen—am Bewusstsein... (wie oben).

Dies, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Ende, des Gefühls Ende, der Wahrnehmung Ende, der Gestaltungen Ende, des Bewusstseins Ende (die Khandhas: Körper und Geist nebst Bewusstsein).“

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„Was es da aber an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen, an Bewußtsein, alle diese Dinge betrachtet er als vergänglich (anicca), als elend (dukkha), siech, als ein Geschwür, einen Stachel, als ein Elend, eine Bürde, als Feind und Bedrücker, als leer von einem Selbst (anattā).

Und sich von diesen Dingen abwendend, richtet er seinen Geist auf das Todlose Element (Nirvana): ,Dies ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich das Ende aller Daseinsgebilde, das Sichloslösen von allen Daseinssubstraten, die Versiegung des Begehrens, die Loslösung, die Erlöschung, das Nirvana'. In diesem Zustand erreicht er die Versiegung aller Triebe; wenn aber nicht, so tritt er eben infolge jener Lust und Freude an geistigen Dingen, nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln (als Anāgāmí), in einer geistigen Welt (d. i. in den sogen. ,Reinen Gefilden') wieder in Erscheinung, und dort erreicht er das Nirvana, kehrt nicht mehr von jener Welt zurück.“

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Die 5 Hindernisse (nīvaraṇa) für Meditation überwinden

Hindernisse oder Hemmungen nennt man die den Geist hemmende und den klaren Blick trübende Eigenschaften, bei deren Anwesenheit man weder die Sammlung (Samādhi) zu erreichen, noch die Wahrheit klar zu erkennen imstande ist, nämlich:

Sinnenlust (kāma-cchanda),
Übelwollen (vyāpāda),
Stumpfheit und Mattheit (thīna-middha),
Aufgeregtheit und Gewissensunruhe (uddhacca-kukkucca),
skeptischer Zweifel (vicikicchā).

Dem sinnlichen Begehren steht Entsagung gegenüber. Sinnliches Begehren ist die Befriedigung an, das Sichverlieren in, oder das Sicherfreuen an irgendetwas Angenehmen, das den Geist lockt und fasziniert und sein Strahlen verdunkelt.

Das Übelwollen steht dem Wohlwollen gegenüber. Ein Geist mit Übelwollen ist von Ärger angekränkelt, und das äußert sich in Form von Ablehnung, Verweigern, Unzufriedenheit, Widerwillen, Gereiztheit und ähnlichen solcher unerwünschten Zustände.

Mattheit steht der Willensstärke gegenüber. Sie ist hier gleichbedeutend mit Apathie, Schläfrigkeit und Langeweile. Der Geist, der von diesem Hindernis überwältigt wird, verliert seine Fähigkeit zielstrebig voranzuschreiten.

Die Ruhelosigkeit steht der Unerschütterlichkeit und Ausgeglichenheit gegenüber. Uddhacca heißt hervorbrechen, ausbreiten, verstreuen. Es geht um die sich ausbreitenden Gedanken als Ergebnis übermäßigen Interesses an etwas oder jemand. Kukkucca sind aber auch Sorgen oder ein Sich-unwohl-Fühlen.

 Skeptischen Zweifel ist die Zwiespältigkeit des Geistes in Bezug auf das Buddha-Dhamma. Macht das denn überhaupt Sinn? Hat der Buddha denn überhaupt Erleuchtung erlangt? Gibt es das überhaupt Erwachen? Gibt es Arahants? Und so weiter. Als Gegenmittel  sind das Dhamma-Studium, Reflektion und Kontemplation basierend auf der Ethik (Sila) zu nennen. Sie führen zum „Rechten Wissen“ und beseitigen alle Zweifel..

"Der Gier nach dieser Welt hat er entsagt, gierfreien Sinnes verharrt er, von Gier reinigt er seinen Geist. Der Bosheit und dem Zorn hat er entsagt, bosheitfreien Geistes verharrt er, auf das Wohl aller Lebewesen bedacht, reinigt er seinen Geist von Bosheit und Zorn. Der Starrheit und der Schlaffheit hat er entsagt, frei von Starrheit und Schlaffheit verharrt er, klaren Bewußtseins, wachsam und bewußt reinigt er seinen Geist von Starrheit und Schlaffheit. Der Erregung und Reue hat er entsagt, frei von Erregung verweilt er, innerlich beruhigten Geistes reinigt er seinen Geist von Erregung und Reue. Dem Zweifel hat er entsagt, frei von Zweifel verharrt er, frei von Unklarheit über die heilsamen Gegebenheiten reinigt er seinen Geist von Zweifel."


Aṅguttara Nikāya
Das Einer-Buch
11–20. Die fünf geistigen Hemmungen

Kein anderes Ding kenne ich, ihr Mönche, wodurch in dem Maße die unaufgestiegene Sinnenlust zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Sinnenlust zu Wachstum und Entwicklung gelangt, wie ein anziehendes Objekt. (subha-nimitta)

Wer nämlich, ihr Mönche, über ein anziehendes Objekt unweise nachdenkt, (ayoniso manasikāra) in dem kommt die unaufgestiegene Sinnenlust zum Aufsteigen, und die aufgestiegene Sinnenlust erlangt Wachstum und Entwicklung.

Kein anderes Ding kenne ich, ihr Mönche, wodurch in dem Maße der unaufgestiegene Hass (vyāpāda) zum Aufsteigen kommt, und der aufgestiegene Hass zu Wachstum und Entwicklung gelangt, wie ein abstoßendes Objekt.

Wer nämlich, ihr Mönche, über ein abstoßendes Objekt unweise nachdenkt, in dem kommt der unaufgestiegene Hass zum Aufsteigen, und der aufgestiegene Hass erlangt Wachstum und Entwicklung.

Kein anderes Ding kenne ich, ihr Mönche, wodurch in dem Maße die unaufgestiegene Starrheit und Mattigkeit zum Aufsteigen kommt, und die aufgestiegene Starrheit und Mattigkeit zu Wachstum und Entwicklung gelangt, wie die Unlust und Trägheit, das faule Recken der Glieder, die Benommenheit nach dem Mahl und geistige Schlaffheit. Denn im geistig Schlaffen, ihr Mönche, kommt die unaufgestiegene Starrheit und Mattigkeit zum Aufsteigen und die aufgestiegene erlangt Wachstum und Entwicklung.

Kein anderes Ding kenne ich, ihr Mönche, wodurch in dem Maße die unaufgestiegene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe zu Wachstum und Entwicklung gelangt, wie die innere Unruhe. Denn im innerlich Unruhigen, ihr Mönche, kommt die unaufgestiegene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe zum Aufsteigen, und die aufgestiegene erlangt Wachstum und Entwicklung.

Kein anderes Ding kenne ich, ihr Mönche, wodurch in dem Maße die unaufgestiegene Zweifelsucht zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Zweifelsucht zu Wachstum und Entwicklung gelangt, wie unweises Nachdenken. Wer nämlich, ihr Mönche unweise nachdenkt, in dem kommt die unaufgestiegene Zweifelsucht zum Aufsteigen, und die aufgestiegene erlangt Wachstum und Entwicklung.

Kein besseres Mittel (wtl: kein anderes Ding) kenne ich, ihr Mönche, wodurch die unaufgestiegene Sinnenlust nicht zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Sinnenlust schwindet, wie ein widerliches Objekt. (asubha-nimitta) Wer nämlich, ihr Mönche, über ein widerliches Objekt weise nachdenkt, in dem kommt die unaufgestiegene Sinnenlust nicht zum Aufsteigen und die aufgestiegene schwindet.

Kein besseres Mittel kenne ich, ihr Mönche, wodurch der unaufgestiegene Hass nicht zum Aufsteigen kommt und der aufgestiegene Hass schwindet, wie die Güte (Metta), die Befreiung des Herzens. Wer nämlich, ihr Mönche, über die Güte, die Befreiung des Herzens, weise nachdenkt, in dem kommt der unaufgestiegene Hass nicht zum Aufsteigen und der aufgestiegene schwindet.

Kein besseres Mittel kenne ich, ihr Mönche, wodurch die aufgestiegene Starrheit und Mattigkeit nicht zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Starrheit und Mattigkeit schwindet, wie die Geisteshaltung des Willenseinsatzes, des Vorwärtsstrebens und der kraftvollen Ausdauer. Wer nämlich, ihr Mönche, seinen Willen einsetzt, in dem kommt die unaufgestiegene Starrheit und Mattigkeit nicht zum Aufsteigen und die aufgestiegene schwindet.

Kein besseres Mittel kenne ich, ihr Mönche, wodurch die unaufgestiegene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe nicht zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe schwindet, wie die innere Ruhe. Im innerlich Ruhigen nämlich, ihr Mönche, kommt die unaufgestiegene Aufgeregtheit und Gewissensunruhe nicht zum Aufsteigen und die aufgestiegene schwindet.

Kein besseres Mittel kenne ich, ihr Mönche, wodurch die unaufgestiegene Zweifelsucht nicht zum Aufsteigen kommt und die aufgestiegene Zweifelsucht schwindet, wie weises Nachdenken. Wer nämlich, ihr Mönche, weise nachdenkt, in dem kommt die unaufgestiegene Zweifelsucht nicht zum Aufsteigen und die aufgestiegene schwindet.

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Die 16 Stufen der Praxis von Anapanasati 

Saṃyutta Nikaya 54
Ein- und Ausatmungen
11. Icchānangalam

Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Icchānangalam, im Waldgehölz von Icchānangalam. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:

„Ich wünsche, ihr Mönche, drei Monate zurückgezogen zu verbringen: niemand soll mich aufsuchen außer jemand, der mir Almosenspeise bringt.“

„Sehr wohl, o Herr“, erwiderten die Mönche dem Erhabenen, und niemand suchte den Erhabenen auf außer jemand, der ihm Almosenspeise brachte. Nachdem nun diese drei Monate verflossen waren, hat sich der Erhabene aus der Zurückgezogenheit zu den Mönchen begeben und sich an sie gewandt:

„Wenn euch, ihr Mönche, die andersfährtigen Pilger etwa fragen sollten: ‚Was war das, ihr Brüder, für ein Verweilen, in dem der Asket Gotamo während der Regenzeit am meisten Verweilte?.‘ so mögt ihr Mönche den andersfährtigen Pilgern auf solche Frage antworten: In der Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung hat der Erhabene während der Regenzeit am meisten geweilt‘.

Da habe ich, ihr Mönche, achtsam eingeatmet, achtsam ausgeatmet und die sechzehnfache Atembetrachtung gepflegt.

Wo man da nun, ihr Mönche, das rechte Wort anwenden mag: ‚Edles Verweilen‘ oder Brahmisches Verweilen‘ oder ‚Verweilen des Vollendeten.‘ der könnte bei der Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung so sprechen.

Die da, ihr Mönche, übende Mönche sind, in geistiger Unermüdlichkeit den unübertrefflichen Yoga-Frieden zu erreichen trachtend verweilen, die führt die Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung, entfaltet und ausgebildet, zur Triebversiegung.

Die da aber, ihr Mönche, als Mönche Heilige sind, Triebversiegte, Endiger, die das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln versiegt haben, die durch vollkommenes höchstes Erkennen erlöst sind, die führt die Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung, entfaltet und ausgebildet, schon zu Lebzeiten zu glücklichem Verweilen in achtsamer Klarbewußtheit.“

Saṃyutta Nikaya 54
Betrachtungen beim Ein- und Ausatmen
13. Anando I

In Sāvatthi.

Da begab sich der Ehrwürdige Anando dorthin, wo der Erhabene weilte und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich der Ehrwürdige Anando an den Erhabenen:

„Gibt es, o Herr, ein Ding, das, entfaltet und ausgebildet vier Dinge zur Vollendung bringt, vier Dinge, die, entfaltet und ausgebildet, sieben Dinge zur Vollendung bringen, sieben Dinge, die entfaltet und ausgebildet, zwei Dinge zur Vollendung bringen?“

„Gewiß, Anando.“

„Welches aber, o Herr, sind diese Dinge?“

Einigung (Sammlung) in bedachtsamer Ein- und Ausatmung ( ānāpānasati ), Anando, ist das eine Ding, das, entfaltet und ausgebildet, vier Dinge zur Vollendung bringt.

Die vier Pfeiler der Achtsamkeit ( satipatthāna ) sind die vier Dinge, die, entfaltet, ausgebildet, die sieben Erwachungsglieder zur Vollendung bringen.

Die 7 Erwachungsglieder ( bojjhanga ), entfaltet und ausgebildet, bringen Wissen und Erlösung zur Vollendung.“

1. Ekadhamma Vagga

SN 54.1. Ein Ding - 1. Ekadhamma Sutta

In Sāvatthi. Dort sprach der Erhabene:

"Ein Ding, ihr Mönche, entfaltet und ausgebildet, verleiht große Frucht und großen Segen. Welches eine Ding? Bedachtsame Ein- und Ausatmung (16 Betrachtungen). Wie aber ist, ihr Mönche, bedachtsame Ein- und Ausatmung zu entfalten und auszubilden, daß sie große Frucht und großen Segen verleiht?

Da begibt sich, ihr Mönche, der Mönch in den Wald oder unter einen großen Baum oder in eine leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet,

die Achtsamkeit um den Mund herum aufgestellt und 

achtsam atmet er ein, achtsam atmet er aus.

(Die Vier Grundlagen der Achtsamkeit)

(Gestaltungen des Körpers:)

(1)
Atmet er tief ein, so weiß er: 'Ich atme tief ein', atmet er tief aus, so weiß er: 'Ich atme tief aus';

(2)
atmet er kurz ein, so weiß er: 'Ich atme kurz ein', atmet er kurz aus, so weiß er 'Ich atme kurz aus'.

(3)
'Den ganzen Körper empfindend, will ich einatmen, den ganzen Körper empfindend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(4)
'Die Körpergestaltung (Funktionen) beschwichtigend, will ich einatmen, die Körpergestaltung beschwichtigend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(Gestaltungen des Herzens: Gemüt)

(5)
'Das Verzückung empfindend, will ich einatmen, das Entzücken empfindend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(6)
'Das Glückseligkeit empfindend, will ich einatmen, das Wohl empfindend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(7)
'Die Herzensgestaltung (aus Verlangen, Abneigung u. Verblendung) empfindend, will ich einatmen, die Herzensgestaltung empfindend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(8)
'Die Herzensgestaltung  beschwichtigend, will ich einatmen, die Herzensgestaltung beschwichtigend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(Betrachtung des Herzens: Citta)

(9)
'Das Herz (Citta) empfindend, will ich einatmen, das Herz empfindend, will ich ausatmen, so übt er sich.

(10)
'Das Herz ermunternd, will ich einatmen, das Herz ermunternd, will ich ausatmen', so übt er sich.

(11)
'Das Herz einigend, will ich einatmen, das Herz einigend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(12)
'Das Herz befreiend, will ich einatmen, das Herz befreiend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(Betrachtung des Dhamma)

(13)
'Die  Vergänglichkeit (Anicca)  betrachtend, will ich einatmen. Die Vergänglichkeit betrachtend, will ich ausatmen', so übt er sich“.

„Von welchen Dingen kennt man ein Entstehen, kennt man ein Vergehen, kennt man eine Veränderung des Bestehenden?

Bei der Körperlichkeit, Bruder, kennt man ein Entstehen, kennt man ein Vergehen, kennt man eine Veränderung des Bestehenden. Beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Gestaltungen, beim Bewußtsein kennt man ein Entstehen, kennt man ein Vergehen, kennt man eine Veränderung des Bestehenden“).

"O Mönche, ein Mönch, der sechs Vorteile klar erkennt, sollte die Wahrnehmung der Unbeständigkeit in Bezug auf alle Gestaltungen unbegrenzt entfalten. Diese sechs sind:

1. 'Alle Erscheinungen werden mir als unbeständig erscheinen.'
2. 'Mein Geist wird keine Freude finden an allen drei Welten (sinnliche, feinstoffliche und unstoffliche).'
3. 'Mein Geist wird aus allen drei Welten heraustreten.'
4. 'Mein Geist wird auf's Nibbâna ausgerichtet sein.'
5. 'Die Fesseln werden von mir aufgegeben werden.'
6. 'Ich werde mit höchster Abgeschiedenheit (frei von Anhaftung) ausgestattet sein.'"

(14)
'Die Lossagung (Körper und Geist nebst Bewusstsein sowie Sinnes- u. Geistobjekte) betrachtend, will ich einatmen, die Lossagung betrachtend, will ich ausatmen', so übt er sich.

(Anicca, Dukkha u. Anatta: „Das ist nicht mein; das bin ich nicht; das ist nicht mein Selbst“)

(15)
'Das Aufhören (Paticca Samuppada) betrachtend, will ich einatmen, die Aufhören betrachtend, will ich ausatmen', so übt er sich.

„Wenn dies nicht ist, ist jenes nicht;
wenn dies aufhört, hört jenes auf“

„Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhören des Nichtwissens folgt Aufhören der Gestaltungen;
aus der Aufhören der Gestaltungen folgt Aufhören des Bewußtseins
aus der Aufhören des Bewußtseins folgt Aufhören von Name und Form,
aus der Aufhören von Name und Form folgt Aufhören der sechs Sinnesbereiche,
aus der Aufhören der sechs Sinnesbereiche folgt Aufhören der Berührung,
aus der Aufhören der Berührung folgt Aufhören der Empfindung,
aus der Aufhören der Empfindung folgt Aufhören des Durstes,
aus der Aufhören des Durstes folgt Aufhören des Anhaftens,
aus der Aufhören des Anhaftens folgt Aufhören des Werdens,
aus der Aufhören des Werdens folgt Aufhören der Geburt,
aus der Aufhören der Geburt folgt Aufhören von Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung.
Auf solche Art kommt das Aufhören der ganzen Masse Leidens zustande“)

(16)
'Das Loslassen (Durst nach Dasein und sinnlichem Erleben) betrachtend, will ich einatmen, das Loslassen betrachtend, will ich ausatmen', so übt er sich.

Derart entfaltet und ausgebildet, ihr Mönche, verleiht bedachtsame Ein- und Ausatmung große Frucht und großen Segen".


Nachfolgend nun der Auszug der Lehrrede des Buddha aus dem Anapanasati Sutta

Majjhima Nikāya 118
Ānāpānasati Sutta
Achtsamkeit auf den Atem

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Achtsamkeit auf den Atem

„Ihr Bhikkhus, wenn die Achtsamkeit auf den Atem entfaltet und geübt wird, ist sie von großer Frucht und großem Nutzen. Wenn die Achtsamkeit auf den Atem entfaltet und geübt wird, vervollkommnet sie die vier Grundlagen der Achtsamkeit. Wenn die vier Grundlagen der Achtsamkeit entfaltet und geübt werden, vervollkommnen sie die sieben Erwachensglieder. Wenn die sieben Erwachensglieder entfaltet und geübt werden, vervollkommnen sie wahres Wissen und Befreiung.“

„Und wie, ihr Bhikkhus, wird die Achtsamkeit auf den Atem entfaltet und geübt, so daß sie von großer Frucht und großem Nutzen ist?“

„Da setzt sich ein Bhikkhu nieder, nachdem er in den Wald oder zum Fuße eines Baumes oder in eine leere Hütte gegangen ist; nachdem er die Beine gekreuzt, den Oberkörper aufgerichtet und die Achtsamkeit vor sich gegenwärtig gehalten hat, atmet er völlig achtsam ein, achtsam atmet er aus.“

„Wenn er lang einatmet, versteht er: ,Ich atme lang ein‘; oder wenn er lang ausatmet, versteht er: ,Ich atme lang aus.‘ Wenn er kurz einatmet, versteht er: ,Ich atme kurz ein‘; oder wenn er kurz ausatmet, versteht er: ,Ich atme kurz aus.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei den ganzen Atemkörper erleben‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei den ganzen Atemkörper erleben.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei die Gestaltung des Körpers beruhigen‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei die Gestaltung des Körpers beruhigen.‘“

„Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei Verzückung erleben‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei Verzückung erleben.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei Glückseligkeit erleben‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei Glückseligkeit erleben.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei die Gestaltung des Herzens erleben‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei die Gestaltung des Herzens erleben.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei die Gestaltung des Herzens beruhigen‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei die Gestaltung des Herzens beruhigen.‘“

„Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz erleben‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz erleben.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz erfreuen‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz erfreuen.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz konzentrieren‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz konzentrieren.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz befreien‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz befreien.‘“

„Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei die Vergänglichkeit betrachten‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei die Vergänglichkeit betrachten.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei die Lossagung betrachten‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei die Lossagung betrachten.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei das Aufhören betrachten‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei das Aufhören betrachten.‘ Er übt sich so: ,Ich werde einatmen und dabei das Loslassen betrachten‘; er übt sich so: ,Ich werde ausatmen und dabei das Loslassen betrachten.‘“

„Ihr Bhikkhus, so wird die Achtsamkeit auf den Atem entfaltet und geübt, so daß sie von großer Frucht und großem Nutzen ist.“

Vervollkommnung der vier Grundlagen der Achtsamkeit

„Und wie, ihr Bhikkhus, vervollkommnet die entfaltete und geübte Achtsamkeit auf den Atem die vier Grundlagen der Achtsamkeit?“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu versteht, wenn er lang einatmet, ,Ich atme lang ein‘, oder versteht, wenn er lang ausatmet, ,Ich atme lang aus‘, oder versteht, wenn er kurz einatmet, ,Ich atme kurz ein‘, oder versteht, wenn er kurz ausatmet, ,Ich atme kurz aus‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei den ganzen Atemkörper erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei den ganzen Atemkörper erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei die Gestaltung des Körpers beruhigen‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei die Gestaltung des Körpers beruhigen‘—bei jener Gelegenheit verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Ich sage, daß dies ein bestimmter Körper unter den Körpern ist, nämlich das Ein- und Ausatmen. Aus diesem Grund verweilt ein Bhikkhu bei jener Gelegenheit, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat.“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei Verzückung erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei Verzückung erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei Glückseligkeit erleben‘ wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei Glückseligkeit erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei die Gestaltung des Herzens erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei die Gestaltung des Herzens erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei die Gestaltung des Herzens beruhigen‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei die Gestaltung des Herzens beruhigen‘—bei jener Gelegenheit verweilt ein Bhikkhu, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Ich sage, daß dies ein bestimmtes Gefühl unter den Gefühlen ist, nämlich wenn man das Ein- und Ausatmen genau verfolgt. Aus diesem Grund verweilt ein Bhikkhu bei jener Gelegenheit, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat.“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz erleben‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz erfreuen‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz erfreuen‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz konzentrieren‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz konzentrieren‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei das Herz befreien‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei das Herz befreien‘—bei jener Gelegenheit verweilt ein Bhikkhu, indem er Herz als Herz betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Ich sage nicht, daß die Entfaltung der Achtsamkeit auf den Atem in einem stattfindet, der das Achtsamsein vergißt, der nicht völlig wissensklar ist. Aus diesem Grund verweilt ein Bhikkhu bei jener Gelegenheit, indem er Herz als Herz betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat.“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei die Vergänglichkeit betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei die Vergänglichkeit betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei die Lossagung betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei die Lossagung betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei das Aufhören betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei das Aufhören betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde einatmen und dabei das Loslassen betrachten‘, wenn er sich so übt: ,Ich werde ausatmen und dabei das Loslassen betrachten‘—bei jener Gelegenheit verweilt ein Bhikkhu, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat. Nachdem er das Überwinden von Habgier und Trauer mit Weisheit gesehen hat, sieht er mit Gleichmut genau zu. Aus diesem Grund verweilt ein Bhikkhu bei jener Gelegenheit, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat.“

„Ihr Bhikkhus, so vervollkommnet die entfaltete und geübte Achtsamkeit auf den Atem die vier Grundlagen der Achtsamkeit.“

Vervollkommnung der sieben Erwachensglieder

„Und wie, ihr Bhikkhus, vervollkommnen die entfalteten und geübten vier Grundlagen der Achtsamkeit die sieben Erwachensglieder?“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu verweilt, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat—bei jener Gelegenheit ist unablässige Achtsamkeit in ihm verankert. Wann immer unablässige Achtsamkeit in einem Bhikkhu verankert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Achtsamkeit in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Indem er auf solche Weise achtsam verweilt, ergründet und untersucht er jenen Zustand mit Weisheit und beschäftigt sich mit dessen genauer Erforschung. Wann immer ein Bhikkhu, so achtsam verweilend, jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Wirklichkeitsergründung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt, wird unermüdliche Energie hervorgebracht. Wann immer unermüdliche Energie in einem Bhikkhu hervorgebracht wird, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Energie in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der Energie hervorgebracht hat, erscheint überirdische Verzückung. Wann immer überirdische Verzückung in einem Bhikkhu erscheint, der Energie hervorgebracht hat—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Verzückung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Geist verzückt ist, werden Körper und Herz still. Wann immer Körper und Herz bei einem Bhikkhu still werden, dessen Geist verzückt ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Stille in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Körper still ist und der Glück empfindet, wird das Herz konzentriert. Wann immer das Herz in einem Bhikkhu konzentriert wird, dessen Körper still ist und der Glück empfindet—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Konzentration in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Mit Gleichmut betrachtet er genau das Herz, das so konzentriert ist. Wann immer ein Bhikkhu mit Gleichmut das Herz genau betrachtet, das so konzentriert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied des Gleichmuts in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat—bei jener Gelegenheit ist unablässige Achtsamkeit in ihm verankert. Wann immer unablässige Achtsamkeit in einem Bhikkhu verankert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Achtsamkeit in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Indem er auf solche Weise achtsam verweilt, ergründet und untersucht er jenen Zustand mit Weisheit und beschäftigt sich mit dessen genauer Erforschung. Wann immer ein Bhikkhu, so achtsam verweilend, jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt —bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Wirklichkeitsergründung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt, wird unermüdliche Energie hervorgebracht. Wann immer unermüdliche Energie in einem Bhikkhu hervorgebracht wird, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Energie in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der Energie hervorgebracht hat, erscheint überirdische Verzückung. Wann immer überirdische Verzückung in einem Bhikkhu erscheint, der Energie hervorgebracht hat—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Verzückung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Geist verzückt ist, werden Körper und Herz still. Wann immer Körper und Herz bei einem Bhikkhu still werden, dessen Geist verzückt ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Stille in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Körper still ist und der Glück empfindet, wird das Herz konzentriert. Wann immer das Herz in einem Bhikkhu konzentriert wird, dessen Körper still ist und der Glück empfindet—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Konzentration in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Mit Gleichmut betrachtet er genau das Herz, das so konzentriert ist. Wann immer ein Bhikkhu mit Gleichmut das Herz genau betrachtet, das so konzentriert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied des Gleichmuts in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu verweilt, indem er Herz als Herz betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat—bei jener Gelegenheit ist unablässige Achtsamkeit in ihm verankert. Wann immer unablässige Achtsamkeit in einem Bhikkhu verankert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Achtsamkeit in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Indem er auf solche Weise achtsam verweilt, ergründet und untersucht er jenen Zustand mit Weisheit und beschäftigt sich mit dessen genauer Erforschung. Wann immer ein Bhikkhu, so achtsam verweilend, jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Wirklichkeitsergründung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt, wird unermüdliche Energie hervorgebracht. Wann immer unermüdliche Energie in einem Bhikkhu hervorgebracht wird, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Energie in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der Energie hervorgebracht hat, erscheint überirdische Verzückung. Wann immer überirdische Verzückung in einem Bhikkhu erscheint, der Energie hervorgebracht hat—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Verzückung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Geist verzückt ist, werden Körper und Herz still. Wann immer Körper und Herz bei einem Bhikkhu still werden, dessen Geist verzückt ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Stille in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Körper still ist und der Glück empfindet, wird das Herz konzentriert. Wann immer das Herz in einem Bhikkhu konzentriert wird, dessen Körper still ist und der Glück empfindet—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Konzentration in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Mit Gleichmut betrachtet er genau das Herz, das so konzentriert ist. Wann immer ein Bhikkhu mit Gleichmut das Herz genau betrachtet, das so konzentriert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied des Gleichmuts in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Ihr Bhikkhus, wann immer ein Bhikkhu verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat—bei jener Gelegenheit ist unablässige Achtsamkeit in ihm verankert. Wann immer unablässige Achtsamkeit in einem Bhikkhu verankert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Achtsamkeit in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Indem er auf solche Weise achtsam verweilt, ergründet und untersucht er jenen Zustand mit Weisheit und beschäftigt sich mit dessen genauer Erforschung. Wann immer ein Bhikkhu, so achtsam verweilend, jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Wirklichkeitsergründung in ihm
hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt, wird unermüdliche Energie hervorgebracht. Wann immer unermüdliche Energie in einem Bhikkhu hervorgebracht wird, der jenen Zustand mit Weisheit ergründet und untersucht und sich mit dessen genauer Erforschung beschäftigt—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Energie in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„In einem, der Energie hervorgebracht hat, erscheint überirdische Verzückung. Wann immer überirdische Verzückung in einem Bhikkhu erscheint, der Energie hervorgebracht hat—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Verzückung in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Geist verzückt ist, werden Körper und Herz still. Wann immer Körper und Herz bei einem Bhikkhu still werden, dessen Geist verzückt ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Stille in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Bei einem, dessen Körper still ist und der Glück empfindet, wird das Herz konzentriert. Wann immer das Herz in einem Bhikkhu konzentriert wird, dessen Körper still ist und der Glück empfindet—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied der Konzentration in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Mit Gleichmut betrachtet er genau das Herz, das so konzentriert ist. Wann immer ein Bhikkhu mit Gleichmut das Herz genau betrachtet, das so konzentriert ist—bei jener Gelegenheit wird das Erwachensglied des Gleichmuts in ihm hervorgebracht, und er entfaltet es, und durch Entfaltung gelangt es in ihm zur Vollkommenheit.“

„Ihr Bhikkhus, so vervollkommnen die entfalteten und geübten vier Grundlagen der Achtsamkeit die sieben Erwachensglieder.“

Vervollkommnung von wahrem Wissen und Befreiung

„Und wie, ihr Bhikkhus, vervollkommnen die entfalteten und geübten sieben Erwachensglieder wahres Wissen und Befreiung?“

„Ihr Bhikkhus, da entfaltet ein Bhikkhu das Erwachensglied der Achtsamkeit, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt. Er entfaltet das Erwachensglied der Wirklichkeitsergründung, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt. Er entfaltet das Erwachensglied der Energie, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt. Er entfaltet das Erwachensglied der Verzückung, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt. Er entfaltet das Erwachensglied der Stille, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt. Er entfaltet das Erwachensglied der Konzentration, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt. Er entfaltet das Erwachensglied des Gleichmuts, welches durch Abgeschiedenheit, Lossagung und Aufhören gefördert wird und zum Loslassen führt.“

„Ihr Bhikkhus, so vervollkommnen die entfalteten und geübten sieben Erwachensglieder wahres Wissen und Befreiung.“

Das ist es, was der Erhabene sagte. Die Bhikkhus waren zufrieden und entzückt über die Worte des Erhabenen.

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Die acht Vertiefungen in der Meditation (Jhanas)

In der Meditation ist es möglich die Jhanas (Vertiefungszustände über 8 Stufen) zu erreichen, wenn die Ursachen dafür geschaffen werden. Welche Ursachen sind dies: Die moralische Disziplin (5 Silas), tiefes Vertrauen in Buddha als den Lehrer, den Dhamma als seine befreiende Heilslehre, die korrekten Befolgung der vier oben aufgeführten Anweisungen. Dann können wir auch die Jhanas erreichen.

Wir sollten uns aber immer bewusst machen, dass diese Bewusstseinszustände auch nur vergänglich sind und uns lediglich in die höheren Daseinsspähren führen. Befreiung von Samsara erlangen wir durch Weisheit und Versiegung des Durstes!,

Die Jhanas sind Bewusstseinszustände, die mit den höheren und höchsten Existenzbereichen Samsaras, den formhaften (Halbgötter) und formfreien (Götter) Bereichen korrespondieren. Doch bevor wir die Jhanas erleben können, gilt es zunächst einmal den Geist zur Ruhe zu bringen.

Seminar-Vortrag von Ayya Khema (Buddhistische Nonne)

Die ersten Vertiefungen heißen „Rupa-Jhanas“. Das sind die feinkörperlichen meditativen Vertiefungen. Rupa heißt „Körper“. Auch unser Körper ist Rupa. Alles, was materiell existiert, ist Rupa. Sobald Rupa im Zusammenhang mit den Jhanas steht, bedeutet es jedoch „feinkörperlich“. Es heißt so, weil die Ergebnisse, die man dort hat, einerseits noch an das anknüpfen, was wir aus der (körperlichen) Wahrnehmung unseres Alltags kennen, gleichzeitig jedoch von wesentlich feinerer, differenzierterer Art sind, als es der Alltag außerhalb der Meditation zuläßt.

1. In der ersten Vertiefungsstufe erleben wir ein „angenehmes Körpergefühl“. Wir kennen angenehme Körpergefühle, aber nur durch äußeren Anlass, nicht durch inneren. Dadurch, daß wir hier in der meditativen Erfahrung solche Gefühle durch inneren Anlass bekommen, ist dies eine viel wertvollere Situation, weil wir dadurch von äußeren Einflüssen unabhängig sind. Außerdem sind diese Gefühle, wenn man ernsthaft praktiziert, jederzeit beliebig wieder zu erzeugen. Ebenso kann man sie so lange anhalten, wie man will, und sie haben eine stark verfeinerte Art im Vergleich zu den Gefühlen, die wir von außen her durch unseren Körper vermittelt bekommen.

2. Dasselbe gilt für die zweite Vertiefungsstufe, sie bringt ein Gefühl der „Freude“. Jeder hat schon Freude erlebt, es wäre entsetzlich, wäre es nicht so. Aber: Wir erfuhren Freude immer von außen durch unsere Sinneseindrücke: Durch etwas, was wir bekommen haben, was wir losgeworden sind, durch etwas was wir sehen, hören, riechen, schmecken, uns gedacht haben usw. Hier haben wir Freude ohne äußeren Anlass und in verfeinerterter Art: Wenn diese Freude innerlich zur Blüte kommt, empfindet man eine Art innerer Süße. Damit ist nicht ein Sinneseindruck, also ein süßes „Schmecken“ gemeint. Es ist vielmehr ein „inneres“ Gefühl von Süße. Ein Gefühl, daß sich da innen, in uns, etwas Wunderbares befindet. Wenn man normalerweise in sich hineinzuhorchen versucht, findet man nicht unbedingt gleich etwas Wunderbares.
Praktiziert man aber ernsthaft, dann ist diese Erfahrung des Wunderbaren in uns ein sehr starkes Erlebnis. Wir  bezeichnen dieses Gefühl als die „Nähe der Reinheit“, im Christentum „Gottes Nähe“. Wir sind unserer eigenen Reinheit, dem „Erleuchtungsfunken“ (im christlichen Glauben: dem „Gottesfunken“), nahe gekommen.

Es ist ein Gefühl, das man immer wieder herstellen kann, denn es ist ja nur der zweite Schritt. „Nur“ meint aber nicht, daß es etwa kein wichtiger Schritt sei. Es ist ein enorm wichtiger Schritt. Denn innere Freude ist ja genau das, was wir immer schon haben wollten, bisher aber immer nur durch die Sinneseindrücke bekamen. Wenn dieser Schritt einmal wirklich zur Blüte gekommen ist, dann hat man ein Juwel in sich und trägt es in sich. Dieser zweite Schritt ist ein Juwel, das mit nichts anderem in unserer Existenz vergleichbar ist. Das vorausgehende angenehme Körpergefühl muß lange genug gehalten werden, damit sich die Freude entwickeln kann. Dieses Körpergefühl soll, so hat es Der Buddha gelehrt, nach seiner Entfaltung absichtlich in den Hintergrund gebracht werden im Bewußtsein, daß es zwar feiner ist als die uns sonst bekannten äußerlich veranlassten Körpergefühle, aber andererseits auch nur eine Vorbereitung für die weiteren
Vertiefungen. So kann man sich voll auf die Freude konzentrieren. Diese Freude, sie heißt auf Pali “Sukkha”, hat eine andere Qualität als die Freude, die wir im Alltag kennen, ist aber mir ihr verwandt. Sie ist weicher, ausfüllender, der Reinheit näher... Deswegen entwickelt sie in unserem Inneren dieses Gefühl von Süße.

3. Auch hier ist dem übenden Geist klar, daß diese Freude nicht das Ende der Entwicklung sein kann. Die beiden ersten Stufen, vor allem das angenehme Körpergefühl, haben eine gewisse Erregtheit in sich. Der Geist jedoch sucht nach Frieden und weiß daher von alleine, daß diese Stufe der Freude nicht der ultimative Entwicklungsschritt sein kann. Also läßt man auch hier – nachdem man sie voll ausgekostet hat – die Freude in den Hintergrund treten. Was jetzt von alleine in den Vordergrund tritt, ist ein Gefühl tiefster Zufriedenheit. Es ist das wunschlose Gefühl einer tiefen Stille. Man ist dabei immer noch der Beobachter wie in den ersten beiden Stufen. Der Beobachter, der genau weiß, was da los ist. Diese Wunschlosigkeit kommt daher, weil wir jetzt die innere Freude erfahren haben – also das, wonach unser inneres Sehnen ein Leben lang ausgerichtet ist: Wir wollen Freude erleben, auf welche Art immer. Jetzt, da wir sie haben, können wir sie loslassen, können uns wunschlos zufrieden in uns versenken. Das ist im Deutschen ein gutes Wort, wir senken uns wirklich in uns hinein, das Interesse an der Außenwelt verschwindet. In der Außenwelt gibt es diese Qualitäten von Freude und Zufriedenheit nicht. Natürlich kann man dort auch zufrieden sein, aber diese tiefe wunschlose Zufriedenheit, die so lange anhält, wie die Konzentration anhält, dieses Gefühl haben wir außen noch nicht erlebt. Das heißt also, wir gehen nach innen, um „dabei bleiben“ zu können.

In ersten beiden Schritten, dem angenehmen Körpergefühl und der inneren Freude, passiert es leicht - vor allem, wenn man noch nicht sehr geübt ist - daß der Geist von der Konzentration abrutscht und wieder beginnt, Gedanken zu bilden. Man kann aber immer den Faden wieder aufgreifen und die Konzentration erneut herstellen. Hier in der dritten Stufe wird ein solches Abgleiten nur noch selten der Fall sein. Daher stellt dieser dritte Schritt eine wirkliche Stille dar. Zum ersten mal erfährt man, was es heißt, wirklich Frieden zu haben. Über „Frieden“ dachten wir bisher immer, es wäre eine Art Vereinbarung oder Dokument, wie es etwa Staatsoberhäupter unterzeichnen. Dies ist aber nur ein Stück Papier. Davon hat noch nie ein Mensch Frieden gehabt. Das einzige Resultat daraus ist, daß im Moment keiner schießt, was natürlich gut und wichtig ist. Aber wirklicher Frieden ist das, was wir in der dritten Vertiefung erleben. Es ist das erste mal, daß wir wirklich verstehen, was Frieden heißt: Zum ersten mal haben wir Frieden in uns, weil wir wunschlos sind. Und daraus können wir nun zweifelsfrei erkennen, daß es die Wünsche sind, die uns den Unfrieden bringen.

„Nur wer selber in die Mango beißt, weiß wie sie schmeckt.“ Erst wenn man selber in diesem meditativen Zustand einmal eine gewisse Zeitlang wunschlos war, weiß man wirklich, wie es sich anfühlt: Das ist Frieden. Es ist der Frieden, den alle Menschen erreichen können. Es ist der Frieden, von dem alle Religionen sprechen, den aber leider die wenigsten praktizieren. Dazu gehört auch, daß er nicht erreichbar ist, wenn man ihn „haben möchte“ oder wenn man versucht, sich dazu zu erziehen. Man muß die richtigen Bedingungen erfüllen oder sich schaffen, um meditieren zu können. Und nur durch die Meditation kommt man der Reinheit, die jeder in sich trägt, so nah, daß man den wirklichen inneren Frieden erleben kann. „Frieden auf Erden und den Menschen zum Wohlgefallen“, heißt es und wir dachten immer, das käme von
außen. Es kann nur von innen kommen! Da drin sitzt der Frieden und nur da ist er erreichbar. Wir brauchen ihn nur zuzulassen, brauchen uns nur zu konzentrieren. Leider müssen wir uns fest vornehmen, zu praktizieren. Nur durch Wünschen oder durch irgend etwas anderes erfahren wir ihn nie. Nur selber praktizieren bringt Frieden. Dann hat man auch ein Gefühl von Wohlgefallen. Es ist ein Gefühl des Wohlbefindens, des Ganzseins, was uns in dieser dritten Stufe wiederfährt.

Es gibt ganz individuelle Möglichkeiten, diese Stufe zu erkennen. Das kann man als Wiedererkennungsmerkmal benutzen, um in der Folge den Eintritt einfacher zu erreichen. Zum Beispiel findet man hier nicht mehr diese Erregtheit der ersten beiden Stufen, welche sich oft anfühlt wie eine Woge, die etwa durch den unteren Teil des Körpers geht, während die darauf folgende tiefe innere Stille nach oben weist. Diese dritte Stufe ist gleichzeitig auch ein Moment der Einsicht: Es ist nicht nur der einzige Weg, Frieden zu erlangen, sondern es zeigt uns auch, daß das, wovon wir bisher glaubten, es brächte Frieden, bisher nie wirklich dahin geführt hat. Natürlich haben wir schon friedliche Situationen erlebt. Aber dieser Zustand hier hat eine andere Qualität: Wir können ihn erstens immer wieder herstellen, entsprechend
ernsthafte Praxis vorausgesetzt, und er geht wesentlich tiefer als alles, was wir bis dahin als Frieden empfanden.

4. Es gibt in den Kommentaren eine kleine symbolische Geschichte, die die ersten vier Vertiefungen verdeutlicht: Ein Mensch wandert durch die Wüste. Er ist verzweifelt, am Verdursten und sucht Wasser. Dann sieht er in der Ferne eine Oase mit einem Wassertümpel. Er ist angenehm erregt und freut sich. Das ist die erste Vertiefung: Man sieht, daß in der Ferne die Erlösung geschehen kann und ist stark erregt. Dann geht er auf den Tümpel zu, steht davor, sieht, daß es das ist, wo er hin wollte und freut sich darüber. Auch das ist noch mit eine gewissen Erregung verbunden. Dann geht er auf den Wassertümpel zu und trinkt. Die Gefahr des Verdurstens ist vorbei und es steigt eine starke Zufriedenheit hoch: Die dritte Vertiefungsstufe.

Danach legt er sich unter eine Palme in den Schatten und ruht sich aus: Das ist die vierte Vertiefung. In der vierten Vertiefungsstufe verstärkt sich die Stille aus der dritten Stufe zu einer anderen Qualität von Stille, die nicht mehr Zufriedenheit in sich hat. Es ist eine Stille, die aus nichts anderem als eben dieser Stille besteht. Die Stille „ist“. Es gibt weder Grund noch Ursache für sie. Oft wird diese 4. Vertiefung als „Gleichmut“ bezeichnet. Solange wir aber die Erfahrung des Gleichmuts noch nicht wirklich gemacht haben, ist es wohl besser, diesen Zustand einfach als tiefe innere Stille zu bezeichnen. Hier ist der Beobachter beinahe ausgeschaltet. Das heißt: Unser Ego muß schon sehr gering geworden sein, wenn man bis hierher gelangt ist. In diesem Zustand finden wir das stärkste Moment zur Regenerierung des Geistes.
Hier findet der Geist am besten die Möglichkeit, zu Kraft zu kommen. Es ist eine Art Stille, die man schwer mit Worten beschreiben kann, weil man sie erleben muß.

Folgendes Bild könnte vielleicht helfen, zu verstehen, wie tief die vierte Vertiefung ist: Man steigt in einen tiefen Brunnen hinab. Ist man unten angelangt, hört man keine Geräusche mehr von außen. Dieses Bild soll jetzt aber nur als Symbol verstanden werden. Denn wenn wir in der Vertiefung anfangen, nach einem Geräusch zu hören, fallen wir natürlich gleich wieder aus der Konzentration heraus. Man geht also in diesen Brunnen so weit, wie man sich hineintraut. Darum geht es nämlich: Wenn man sich traut, seine Selbstbehauptung aufzugeben und damit das, was das Ich sich normalerweise so alles sucht und wünscht, dann gelangt man tief hinein. Diese Stufe ist eine sehr wertvolle Meditationserfahrung, die uns hilft, den Geist immer weiter zu klären, so daß er all diese weltlichen Machenschaften und Illusionen zerschneidet und
uns zeigt, daß es sich gerade darum nicht im Leben handelt. Hier erfahren wir, daß es um etwas ganz anderes geht: Um innere Läuterung, inneren Frieden.

Es geht darum, das in sich zu verwirklichen, was in jedem spirituellen Pfad gelehrt wird und eines Tages dieser Pfad zu „sein“. Der Geist sagt uns: „In der Welt leben: Ja, natürlich. Aber: Dem nachjagen? Das ist nicht nötig, denn das weltliche Leben geschieht sowieso. Alles läuft auf der Welt ohne unser Zutun. Daß wir vielleicht irgendeine Position in dieser Welt einnehmen müssen, ist klar. Das ist notwendig, um uns zu ernähren. Aber den Körper zu ernähren und ihm alles zuzuführen, was er braucht, das alleine bringt uns nicht die Möglichkeit von Frieden und Stille. Auch diese Stufe der Stille gehört noch zu den feinkörperlichen Vertiefungen, denn wir haben sicher schon mal etwas Ähnliches erfahren, wenn wir uns sehr auf etwas konzentriert und eingelassen haben, beispielsweise beim Anblick eines Sonnenunterganges. Viele
naturverbundene Menschen empfinden bei solchen Anblicken eine gewisse innere Stille. Dies geschieht dann aber erstens von außen durch die Sinneseindrücke, zweitens war es nicht beliebig wiederholbar und drittens hatte es nicht die Tiefe wie in der Meditation. Es ist unmöglich, in die Tiefe zu gehen, wenn man nicht bei sich bleibt. Dieses „bei sich Bleiben“ ist eine Fähigkeit, die man sich erst erwerben muß. Es ist eine Fähigkeit, die im alltäglichen Leben enormen Gewinn bringt, weil man in der Lage ist, im größten Trubel bei sich zu bleiben. Bei sich zu bleiben, ist das Wichtigste. Nur dann kann man aus dem eigenen Zentrum, aus sich selbst heraus agieren – und nicht als Reaktion darauf, was dieser Trubel um uns herum mit uns macht. Dann bleibt man wirklich mit dem verbunden, was man als sein Inneres empfindet. Das heißt: Man kann also durchaus auch auf dem Marktplatz der Welt den spirituellen Pfad weiter verfolgen. Und dabei ist es eben hilfreich, wenn man schon etwas in diese Vertiefungen hineingeraten ist. Das kann man dann wie als Rückgrat oder als Fundament verstehen. Was nicht bedeutet, daß man unbedingt auf dem Marktplatz in die Vertiefungen gehen muß, aber man hat die Möglichkeit, bei sich selbst zu bleiben. Um in die Stille, in die vierte Vertiefung zu gelangen, muß man sich vollkommen in sich selbst versenken und die Welt drumherum erstmal loslassen können.

Diese ersten vier Jhanas sind häufig die einzig erwähnten Vertiefungen. Der Buddha hat aber auch noch vier weitere Vertiefungen beschrieben. Diese Stufen möchte ich im Folgenden kurz erklären, auch wenn sie im Moment bei unserem Übungsstand noch nicht aktuell sind, damit wir verstehen können, wohin uns die weitere Arbeit führt und wie uns das Verständnis der Vertiefungen innerlich zu einem anderen Menschen machen kann. Die vierte Vertiefung ist der Ausgangspunkt für die nachfolgenden vier, die man die „Arupa-jhanas“ nennt. Die Vorsilbe „a-“ bedeutet „Nicht-“. Die vier Arupa-jhanas sind somit „nichtkörperliche Vertiefungen“. Sie heißen deshalb so, weil sie uns auf Bewußtseinsebenen führen, welche nichts mehr mit dem Körperlichen zu tun haben. Die erste Vertiefung baut ja spürbar auf Körperlichkeit auf. In der zweiten, dritten und vierten Vertiefung finden wir noch Bezüge zum Körper. In den folgenden Vertiefungen finden wir keine körperlichen Anhaltspunkte mehr. Die Arupa-Jhanas können nicht mehr intellektuell beschrieben werden, deshalb wird ihre jeweilige Bedeutung durch Namensgebung erklärt.

5. Die fünfte Vertiefung heißt „Die Unendlichkeit des Raumes“. Was da vor sich geht, ist Folgendes: Zu diesem Zeitpunkt, also wenn man aus der vierten Vertiefung herauskommt, existiert ein vollkommen anderes Körpergefühl, als wie wir es normalerweise kennen: Der Körper hat seine Konturen und Beschränkungen verloren, er ist durchlässig geworden, auch seine Schwere existiert nicht mehr. Nur deshalb kann er jetzt in die räumliche Weite gehen.Man kann absichtlich bewirken, daß sich dieses Gefühl fortsetzt: Etwa, wie der Buddha es beschrieben hat, breitet man sich bis zum nächsten Ort hin aus, dann durch den Wald und schließlich über den ganzen Erdball hinweg. Eine gute Möglichkeit, die unserem Verständnis nahe liegt, ist es auch, durch die Betrachtung des Himmels den Körper sich erweitern und bis in den unendlichen Raum hinein ausbreiten zu lassen. Hier existiert nichts anderes als diese Unendlichkeit des Raumes. Es ist
ein Zustand, der intellektuell nicht vorstellbar ist. Die einzige Möglichkeit, dies zu erfahren, ist die Meditation.  unendlichkeit kann sich niemand wirklich vorstellen. Unendlichkeit bedeutet, daß sich dort nichts befindet, nur Raum, ein Raum, der nicht begrenzt ist.

Dieser Zustand bewirkt, daß man ohne nachzudenken ganz von alleine darauf kommt, daß da kein eigener Körper mehr, also auch keine eigene Person zu finden ist. Wir werden dadurch ohne weiteres Zutun mit der Tatsache konfrontiert, daß wir im Alltag einer Ich-Illusion unterliegen. Diese Ich-Illusion ist ein Denkfehler, der darauf aufbaut, daß wir ja durch die Gier des Sein-Wollens überhaupt erst hergekommen sind. Erst wenn wir das meditativ bearbeiten, kann dieser Denkfehler immer kleiner werden. Wir erkennen, daß nur ohne diesen Denkfehler der Ich-Illusion Frieden und Glück möglich sind: Zunächst in der Stille der vierten Vertiefung, wo der Beobachter schon sehr klein geworden ist. Und jetzt in dieser Stufe, wo der Beobachter zwar noch existiert, aber er selbst und das, was von ihm beobachtet wird, also der Raum, ein und dasselbe zu sein scheint.

Dieses Phänomen zeigt uns, daß wir eigentlich dorthin gehören, denn nur dort ist wirklicher Frieden. Zum Wesen des „Dorthin-Gehörens“ zählt, daß dann unsere Individualität, diese kleine Person, die wir sind, nicht mehr zählt. Dies ist ein Anfang der tieferen Einsicht. Deshalb nennt man die vier Arupa-Jhanas auch die „Vipassana-Jhanas“ (Einsichts-Vertiefungen). Man kommt, wenn man sich einmal auf dieser Stufe bewegt hat, gar nicht umhin, sich Gedanken darüber zu machen.

6. Die sechste Vertiefung bezeichnet „Das unendliche Bewußtsein“. Von der fünften Vertiefung dorthin zu gehen, ist ganz einfach. Es ist nur eine Veränderung der Achtsamkeit. Ähnlich, wie wir in der ersten Vertiefung unsere Achtsamkeit auf dem Körper halten, dann diese Achtsamkeit bewußt in den Hintergrund treten lassen, um in die Freude einzutreten, welche tief in uns schon da ist, so ist auch hier das unendliche Bewußtsein schon da, weil ja nur ein unendliches Bewußtsein einen unendlichen Raum erkennen kann. Das heißt also, man muß nur von diesem Raum, der da erlebt wird, zu dem hingehen, was ihn erlebt. Und das ist nun nicht mehr unser begrenztes individuelles Bewußtsein, welches wir bisher als „unser eigenes“ Bewußtsein“ kennen, sondern es ist durch die Erfahrung des unendlichen Raumes selbst unendlich geworden.

Wie gesagt, dies ist nur in der Meditation zu erfahren und intellektuell nicht zu verstehen, weil wir ja intellektuell grundsätzlich nur unser persönliches individuelles Bewußtsein benutzen. Unser individuelles Bewußtsein ist also nur ein kleiner Teil dieses unendlichen Bewußtseins, das wir hier in der sechsten Vertiefung erleben. So wie uns in der fünften Vertiefung klar wurde, daß in einem unendlichen Raum kein individueller Körper mehr zu finden sein kann, so wird uns hier in der sechsten Vertiefung, im unendlichen Bewußtsein, klar, daß es kein individuelles Bewußtsein geben kann.
Wir sind nicht mehr nur Beobachter, sondern „Teilhaber“, was soviel bedeutet wie „Wir sind Es.“ Das unendliche Bewußtsein „Ist“. Und es gibt nichts, was davon abgetrennt ist. Somit ist das unendliche Bewußtsein „Ich“, und ich bin das „Unendliche Bewußtsein“. Das erinnert an die häretischen Feststellungen christlicher Mystiker, die behaupten: „Ich bin Gott,“ und „Gott ist Ich.“, was von den Kirchen natürlich bestritten wurde. Jedoch aus der mystischen Erfahrung des eigenen meditativen Bewußtseins heraus trifft es tatsächlich zu: Nur heißt es in Wahrheit nicht, daß das Ich sich groß wähnt und anmaßend wird. Sondern im Gegenteil: Es existiert gar nicht mehr, weil es ja nur dann überhaupt ein unendliches Bewußtsein geben kann.

Wenn man aus dem Zustand der sechsten Vertiefung wieder herauskommt, ist einem klar geworden, daß während dieser Zeit nichts anderes existiert hat außer „Bewußtsein“. Man darf jetzt nicht glauben, diese Einsichten würden Erleuchtung bedeuten. Sie bedeuten, daß man dabei ist, sich den Weg dorthin zu bahnen und die Steine auf dem Weg mit Hilfe eigener Erfahrung beiseite zu räumen. So werden wir erfahren, daß die Ich-Illusion wiederkehrt und unabhängig von diesen acht Jhanas noch weitere Schritte nötig sind, bis sich das, was wir dort erfahren, vom bloßen Erkennen zum reinen
Erleben wird. Dennoch kann schon das Erkennen an sich schon so viel Veränderung bringen: Veränderung in unserem Inneren ebenso, wie vielleicht Veränderung unserer Interessen und Prioritäten - manchmal ablesbar an den Reaktionen von Außenstehenden, daß wir uns eventuell der Erleuchtung nahe wähnen. Da muß man also vorsichtig sein.

7. Die siebte Stufe kann man als Vertiefung der fünften und sechsten Stufe verstehen. Es ist die Erkenntnis, daß weder im unendlichen Raum noch im unendlichen Bewußtsein irgend etwas von Solidität existiert. Nichts Existentes, woran man sich festhalten könnte. Diese Vertiefung heißt „Die Basis des Nichts“. Es wird oft falsch so verstanden, daß man hier nichts erlebt. Tatsächlich erlebt man, daß in der Erweiterung des Ganzen, in der Universalität von Körper und Geist nichts besteht, was benennbar ist. Dieser Zustand wird oft als eine Art „Vibration“ erlebt. Oder manchmal auch als eine Art vollkommener Stille, die jedoch außerhalb von einem selbst existiert – im Gegensatz zur vierten Vertiefung, die eine tiefe Stille in unserem Inneren darstellt. Die Stille hier in der siebten Vertiefung muß außerhalb liegen, weil ja in diesem Zustand der Mensch, der das gerade meditativ arrangiert, gar nicht existiert, nachdem das universelle Bewußtsein die
Leitung übernommen hat. Die Vibrationen sind durchaus auch „wissenschaftlich“ erklärbar, da ja unsere Wissenschaftler schon seit langem nachgewiesen haben, daß es im ganzen Universum keinen soliden Baustein gibt, daß alles aus Energieteilchen besteht, die ständig zusammenkommen und auseinanderfallen.

Sich selbst vom Universum zu separieren zu wollen, ist also ein Wahnsinn. Und dennoch tun wir genau dies tagtäglich: Unser Streben geht immer dahin, daß wir „Herr der Lage“ sein, die Situation von oben herab kontrollieren wollen. Darauf zu verzichten, empfinden wir als Ego-bedrohend. Erst in der meditativen Erfahrung können wir unsere tatsächliche Situation im unendlichen Raum und im unendlichen Bewußtsein begreifen.

8. Die achte Vertiefung ist im Grunde eine Verstärkung der Vierten! Sie heißt „Weder Wahrnehmung noch  Nichtwahrnehmung“ und bringt eine Ahnung davon mit sich, was ich den „Stillpunkt“ nenne: Wenn man lange genug übt, bemerkt man eines Tages, daß der sich bewegende Geist auch nur Dukkha ist. Das heißt, er bringt nicht nur die Dukkha erzeugenden Wünsche hervor, sondern er ist durch seine Bewegung selbst Dukkha. Alles was sich bewegt, bringt Irritierung mit sich, weil es sich gegeneinander reibt. So hat der Geist, auch wenn er sich nicht körperlich reibt, etwas
irritierendes an sich, solange er ständig in Bewegung ist. Es kommt irgendwann der Punkt, wo man das sucht, was nicht mehr irritiert, was vollkommene Ruhe hat. Diese achte Vertiefung bringt zwar noch nicht diesen vollkommenen Stillpunkt. Aber sie steuert darauf hin, weil man in dieser Stufe versucht, sogar die Wahrnehmung des Nichts auszuschalten. In den drei vorangegangenen Stufen muß Wahrnehmung vorhanden sein, da wir uns des jeweiligen Zustandes sonst nicht bewußt sein können. Hier aber wollen wir nun auch die Wahrnehmung so weit verringern, bis sie sich nicht mehr auf etwas Bestimmtes richtet.
Dieser Zustand der ausgeschalteten Wahrnehmung ist dann erreicht, wenn zur Hälfte Wahrnehmung und zur Hälfte
Nichtwahrnehmung besteht. Die Wahrnehmung existiert als solche noch, aber sie hat kein Ziel mehr. Dieser Zustand erzeugt die größte Ruhe, die wir durch Meditation erreichen können. Er regeneriert den Geist im höchsten Maße und zeigt in die Richtung zu jenem Punkt, wo wir vielleicht loslassen können.

Dies sind also die acht Vertiefungen. Es wird immer wieder gesagt, daß, wenn man die ersten vier Stufen gemacht hat, ganz leicht in die anderen gehen kann. Aber auch der Absprung von der vierten Vertiefung zur Einsicht kann genauso wertvoll sein, als ob man alle Vertiefungen durchschritten hätte. Diese acht Stufen bringen gewisse Fähigkeiten mit sich, die man aber erst benutzen soll, nachdem volle Erleuchtung erlangt wurde, damit die hier gewonnenen Energien nicht in falsche Bahnen gelenkt werden. Der Buddha hat gesagt, daß man die Fähigkeiten, die man durch die Praxis insbesondere der unkörperlichen Jhanas automatisch bekommt, erst nach der Erleuchtung verwendet werden dürfen. Dann können sie vielleicht der Menschheit dienlich werden.


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