Der Palikanon

Der Palikanon 

„Wohl verkündet ist vom Erhabenen die Lehre (Dhamma), klar sichtbar, jederzeit zugänglich, es heißt: ›Komm und sieh!‹, ist Führer, Verständige können es in ihrem eigenen Inneren feststellen“ (Sam. LV, 1; Majjh. 38). 

AN 4.23
...
„Von der Nacht an, in der zur Wahrheit gelangte (Tathāgata) das höchste richtige Selbst-Erwachen (sammāsambodhi) erlangte, bis zu der Nacht, in der er in das von jeder Daseinsgrundlage freie (an-upādi-sesa) Element des Nibbāna (nibbāna-dhātu) völlig erlischt; was er während dieser Zeit spricht, äußert, erklärt, alles das verhält sich eben genau so und nicht anders: eben darum heißt er der zur Wahrheit gelangte (Tathāgata)“.

Die Quelle unseres heutigen Wissens um den Buddha, seine Lehre und seine Gemeinde ist der Pali-Kanon. Er besteht aus drei Schriftabteilungen (Tipitaka, die Drei Körbe): Disziplin (Ordensregeln), Lehrreden (Reden des Buddha) und Höheres Wissen (buddhistische Philosophie und Psychologie). Nur die Lehrreden und Ordensregeln gehen direkt auf den Buddha zurück.

Die Lehrreden und Ordensregeln des Buddha wurden wahrscheinlich in der Magadhi-Sprache (Magadha-Königreich, zu dem das Fürstentum der Familie des Buddha gehörte) gelehrt und niedergeschrieben. Diese Schriftform wurde Pāli genannt. Aber Pāli hat keine eigene Schrift, sodass es mit Singhala-Schrift niedergeschrieben wurde..

Die Sutten sind in vielen Fällen gekürzte Fassung einer Lehrunterweisung (Diskurs). Zum Beispiel wurde ein Diskurs über einen langen Abend vermittelt. Kaum vorstellbar, wie viele Seiten das schriftlich wären! Doch es wurde alles auf ein paar Seiten zusammengefasst. Das gleiche gilt für alle wichtigen Sutten. Sonst wäre es nicht möglich gewesen Tausende von Sutten zu übertragen.

Nach dem Wunsch des Buddha sollte nach seinem Tod seine Lehre (Dhamma) und Ordensregeln (vinaya) als alleinige Autorität für den Orden gelten:

„Dann richtete der Erhabene an den ehrwürdigen Ānanda die Worte: „Ānanda, es könnte euch vielleicht der Gedanke kommen: ‚Der Lehrer (der uns) das Wort (verkündete) ist dahingegangen, wir (können uns nun auf) keinen Lehrer mehr (berufen). Aber so dürft ihr die Sache nicht ansehen, Ānanda. Die Lehre und die Regel, die ich euch gepredigt und erläutert habe, die sind euer Lehrer nach meinem Ende.“ (D 16, 6, 1)

Man beachte, dass der Abidhamma nicht dazu gehörte. Dieser Korb von Schriften ist erst später durch die Gelehrten (Scholastiker) entstanden, welche die situativ gehaltenen Lehrreden des Buddha systematisieren wollten. Er kommt bei den ersten beiden Konzilen noch nicht vor. Erst beim vierten Konzil auf Ceylon wird dieser abgeschlossen.

Die Notwendigkeit, seine Worte möglichst rasch nach seinem Tod festzulegen, ergab sich schließlich auch daraus, dass der Buddha keinen Nachfolger eingesetzt hatte und seine beiden Herzensschüler (Sāriputto und Moggallāno) schon vor dem Tod (Parinirvana) des Buddha verstorben (erloschen) waren. 

Es war der Mönch Mahakassapa, der nach der Einäscherung des Ordensgründers fünfhundert Mönche, ausschließlich Erwachte (Arahants), aufforderte, in der folgenden Regenzeit eine Versammlung abzuhalten, um die Worte des Buddha zu besprechen und zu rezitieren. So sollten sie für nachfolgende Generationen festgehalten werden. Man traf sich unter Mahakassapas Vorsitz an der Sattapanni-Höhle am Nordhang des Vebhara-Berges von Rajagaha zum ersten Konzil.

Es war die Sorge um den Erhalt der ursprünglichen Lehre des historischen Buddha, welche Mahakassapa veranlasste, das erste Konzil einzuberufen. Dies ist uns im nachfolgenden Text überliefert:

Cūḷavagga
Pañ­casati­kak­khan­dhaka
1. Saṅgītinidāna

Des erste Konzil

„Kommt, Brüder, laßt uns die Lehre und die Ordensregel rezi­tieren, ehe das, was nicht der Lehre entspricht, durchkommt und die Lehre in den Hintergrund tritt, ehe das, was nicht der Ordensregel entspricht, durchkommt, und die Ordensregel in den Hintergrund tritt, ehe die Lehrer des Nichtlehrgemäßen erstarken und die Lehrer der Wahrheit geschwächt werden. Kommt, Verehrte, laßt den Ordenslehrer Mönche auswählen.

Nun wählte der ehrwürdige Mahākassapo 500 Arahants aus. Die Mönche baten den ehrwürdigen Mahākassapo: „Herr, dieser ehrwürdige Ānando (Sekretär des Buddha, der alle Lehrreden rezitieren konnte) hat zwar noch zu kämpfen (er war zu diesem Zeitpunkt noch kein Arahant), aber er kann nicht mehr aus Gier, Haß, Verblendung oder Angst einen falschen Weg gehen und er hat aus seinem Beisammensein mit dem Erhabenen viel an Lehre und Ordensregel behalten. Komm, Herr, auch der Ordensältere Ānando sollte gewählt werden.“

Da wählte der ehrwürdige Mahākassapo auch den ehrwürdi­gen Ānando aus.“

Dieses erste Buddhistische Konzil wurde drei Monate nach dem Parinibbāna des Buddha abgehalten, bei Rājagaha der Hauptstadt von Magadha. Das Cullavagga, eines der Bücher des Pāli Vinaya Pitaka, berichtet darüber, wie die authorisierten Texte auf dem ersten Buddhistischen Konzil erstellt wurden:

Auf diesem Konzil befragte der ehrw. Mahakassapa einen anderen Arahant, den ehrw. Upali, den der Buddha als an der Spitze der Kenner der Ordensregel bezeichnet hatte, über die Ordensregeln. Danach befragte er den ehrw. Ananda über die Lehrreden. Ananda wurde vom Erwachten als derjenige Nachfolger gepriesen, der nicht nur in einer, sondern in fünf vorzüglichen Eigenschaften herausragte. Eine davon war eine außergewöhnliche Gedächtniskraft. Als sein Sekretär und ständiger Begleiter hatte er die meisten Lehrreden selbst miterlebt, andere hatte ihm der Buddha wiederholt. Wir verdanken es hauptsächlich Ananda, dass uns die Lehrreden heute noch authentisch vorliegen. Nach sieben Monaten des Rezitierens hatte die Synode die Texte zusammengestellt.

In den darauf folgenden ca. fünfhundert Jahren wurden Buddhas Lehrreden und Ordensregeln mündlich überliefert, in Gruppen auswendig gelernt und immer wieder untereinander rezitiert um so Abweichungen zu vermeiden. Buddhas Lehren wurden bis zu ihrer Niederschrift so mündlich von einer Generation der Mönche zur nächsten weitergeben und in verschiedenen Konzilen überprüft, bevor sie 29 v.u.Z. im Aluvihara Kloster in Matale (Sri Lanka) beim vierten Buddhistischen Konzil niedergeschrieben wurden.

Wir können daher davon ausgehen, dass uns im Palikanon die authentischen Überlieferungen der Lehre des Buddha zur Verfügung stehen. Dieser ist bis zum heutigen Tage nahezu vollständig erhalten geblieben.

Das zweite Konzil

Hundert Jahre später wurde das zweite Konzil abgehalten, um einige Vinaya-Regeln zu diskutieren. Unter dem Vorsitz des ehrw. Revata wurde in Vesali acht Monate lang der Kanon der Buddhaworte rezitiert, um mögliche Abweichungen der weit voneinander entfernt lebenden Gruppen zu erkennen und ggf. zu korrigieren. Es wird von keiner Kontroverse über das Dhamma berichtet.

Einige Mönche sahen jedoch die Notwendigkeit, bestimmte kleinere Regeln zu ändern. Die orthodoxen Mönche sagten, dass nichts geändert werden sollte, während die anderen darauf bestanden, einige Regeln zu modifizieren. Schließlich verließ eine Gruppe von Mönchen den Rat und gründete die Mahasanghika - die Große Gemeinschaft. Obwohl sie sich Mahasanghika nannte, war sie nicht als Mahayana bekannt.

Drittes Konzil

Das dritte Konzil tagte in Pataliputta unter dem Patronat des Kaisers Ashoka im Jahre 252 v. Chr. Die Synode umfasste tausend Mönche und den Vorsitz führte Moggaliputta Tissa. In neunmonatiger Arbeit wurden die Theravada-Texte aufs neue überprüft und durch ein scholastisches Werk (Abhidhamma) ergänzt. Kaiser Ashoka, der den Buddha-Dhamma zur Staatsreligion Indiens erhob, entsandte Missionare zu den Herrschern der Nachbarvölker. Aber nur in Ceylon waren die Dhamma-Boten anhaltend erfolgreich. In den Klöstern der Insel wurde der vom dritten Konzil endredigierte theravadische Kanon mündlich aufbewahrt, bis er im 1. Jahrhundert v. Chr. auf Geheiß des Königs Vattagamani Abhaya in Pali niedergeschrieben wurde. Bis heute ist uns dieser Palikanon vollständig erhalten geblieben und jedermann über das Internet in allen gängigen Sprachen verfügbar.

Es war während des dritten Konzils, dass die endgültige Fassung des Tipitaka (wie heute verfügbar) kompiliert wurde. Das Konzil vollendete den Abhidhammapitaka und fügte einige Bücher dem Khuddhaka Nikāya hinzu, zusätzlich zum Kathavatthu.

Dieser auf dem Dritten Konzil abgeschlossene Kanon wurde unter König Vaṭṭagāmaṇī Abhaya (regierte von 89 bis 77 v. Chr.) bei Matale, Sri Lanka schriftlich niedergelegt und bildet die Grundlage des Theravada.

Die Zusammensetzung des Tipitaka ist wie folgt:

1. Der Vinaya Pitaka besteht aus fünf Bücher: Grobe Ordnungswidrigkeiten (Prajika Pāli), Ordnungswidrigkeiten (Pacittiya Pāli), Großer Abschnitt (Mahavagga Pāli), Kleiner Abschnitt (Culavagga Pāli) und Epitome des Vinaya (Parivara Pāli). In diesen Texten werden Begebenheiten erzählt, die den Buddha dazu veranlassten, Verhaltensregeln zu geben. In den ersten Kapiteln des Mahāvagga wird das Leben des Buddha von der Erwachung bis zur Bekehrung seiner bedeutendsten Jünger Sāriputta und Moggallāna geschildert.

2. Der Sutta Pitaka besteht aus fünf Nikāyas: Digha Nikāya (Sammlung der langen Diskurse), Majjhima Nikāya (Sammlung der mittellangen Diskurse), Samutta Nikāya (Verbundene Diskurse), Anguttara Nikāya (Angereihte Diskurse) und Khuddaka Nikāya (Kleinere Sammlung):

Der Dīgha-Nikāya, die "Lange Sammlung", besteht aus 34 langen Dialogen.

Der Majjhima-Nikāya, die "Mittlere Sammlung", umfasst 152 Dialoge von mittlerem Umfang. Er ist sehr wichtig zur Kenntnis der Lehre.

Im Samyutta-Nikāya, die "Gruppierte Sammlung", finden wir in 55 Samyuttas oder Gruppen von Begebenheiten zusammengefasste kürzere Dialoge. Es ist eine sehr umfangreiche Sammlung.

Das gleiche gilt vom Anguttara-Nikāya, der "angereihten Sammlung". In elf Büchern enthält er kürzere Reden, Lehrdarstellungen und Ereignisse aus dem Leben des Buddha.

Hinzu kommt noch der Khuddaka-Nikāya, die "Sammlung der kurzen Stücke". Zu ihm gehören: Der Khuddaka-Pātha. Er enthält die Zufluchtsformel und das Mettā-Sutta, das Sutta der Güte, das dann noch einmal im Sutta-Nipāta vorkommt.

Das Dhammapada, der "Wahrheitspfad", die berühmte Spruchsammlung.

Das Udāna, eine Sammlung feierlicher Aussprüche des Buddha, zu denen jeweils eine Prosaerzählung hinleitet.

Das Itivuttaka, die "Sammlung des so Gesprochenen". Es ist eine schöne Sammlung von 112 bemerkenswerten Aussprüchen des Buddha.

Das Sutta-Nipāta enthält 71 Erzählungen, teils in Versen, teils in Prosa.

In den Theragāthā und Therīgāthā, den "Psalmen der Mönche" und den "Psalmen der Nonnen", atmet noch ganz der ursprüngliche Geist der zur Zeit des Erhabenen in der Heimlosigkeit um ihren inneren Frieden Kämpfenden und der inneren Seligkeit derer, die ihn gefunden hatten.

3. Der Abhidamma Pitaka besteht aus folgenden sieben Büchern: Dhamma Sangani (Klassifizierung der Dhammas), Vibhanga (Das Buch der Analyse), Kathavatthu (Streitpunkte, dies wurde vom ehrwürdigen Moggaliputta Tissa auf dem Dritten Buddhistischen Konzil erstellt), Puggala Pannatti (Beschreibung der Personen), Dhatukatha (Diskussion mit Bezug zu Elementen), Yamaka (Das Buch der Paare) und Patthana (Das Buch der Beziehungen).

Das Abhidhamma-Pitaka, das schon zur späteren Scholastik hinüberführt, trat zum Vinaya-Pitaka und Sutta-Pitaka erst später hinzu und wird der Lehre des Buddha, was ihre Tiefe anbetrifft, nicht mehr gerecht, sondern beschäftigt sich mit diesen Fragen nur noch mit einer lediglich in die Breite gehenden Gelehrsamkeit. Dies trifft erst recht auf die Kommentarliteratur (z.B. Visuddhimagga), die sich bei den Nachfahren immer mehr breit machte, zu. 

Alle diese 31 Bücher werden gemeinsam Tipitaka genannt (drei Körbe oder Palikanon).

Das Material in Pāli wurde in singhalesischer Schrift geschrieben (Pāli hat keine eigene Schrift). Dazu nutzte man Palmblätter und ein Stilo (ein spitzes dolchartiges Instrument), um die Buchstaben in die weichen Blätter zu ritzen. Eine aus Beeren hergestellte Tinte wurde über die ganze Seite gerieben und dann vorsichtig entfernt, sodass nur die Vertiefungen die Farbe beibehielten. Es wird gesagt, dass der Tipitaka auch auf Goldblätter geschrieben wurde.

Während der Sangha (mit Hilfe der meisten Könige) in Sri Lanka die ursprüngliche Lehre des historischen Buddha mit Stolz und Ehre intakt hielt, durchlebte diese in Indien, China, Japan und Tibet viele Veränderungen.

In Indien verschwand diese schließlich um 1200 n.Chr.
Im 6. Jahrhundert n.Chr. Brandschatzungen durch die weißen Hunnen.
Im 7. Jahrhundert n.Chr. fiel ein Bengalen König über die Buddhisten her.
Im 8. Jahrhundert setzte eine Verfolgung durch Muslime ein.
Im 9. Jahrhundert unternahm der Hinduismus eine Gegenmission. Der historische Buddha wurde zur 9. Inkarnation des Gottes Visnu erklärt und was einst im Buddhismus angezogen hatte, war jetzt weitgehend im Hinduismus zu finden.

Vor seinem Hinscheiden hatte der Buddha den Mönchen erklärt, wie sie sich verhalten sollten, wenn jemand behaupten würde, er zitiere den Buddha. Sie sollten sich dessen Sätze merken und im Vinaya (den Ordensregeln) und in den Suttas (den Lehrreden) nach einer Bestätigung dafür suchen. Wenn sie dort nicht zu finden sei, müsse man davon ausgehen, dass die betreffende Person etwas falsch aufgefasst habe, und dann solle man diese Sätze verwerfen. Diese Anordnung war von großer Bedeutung. Sie hat bis auf den heutigen Tag bewirkt, dass wir zwischen Buddhas eigenen Worten und nachkanonischen, nichtauthentischen Texten unterscheiden können.

(D 16, 4, 7-11)
„Es handelt sich da, Bhikkhu’s, einmal um den Fall, daß ein Bhikkhu erklärt: ‚Freunde, ich habe das vom Erhabenen selbst gehört und vernommen, und das ist also (richtige) Lehre, Satzung, Verkündigung des Meisters‘. Eine solche Behauptung des betreffenden Bhikkhu sollt ihr, Bhikkhu’s, (von vornherein) weder gutheißen noch zurückweisen. Vielmehr sollt ihr sie Wort für Wort und Silbe für Silbe euch wohl merken, auf das Sutta zurückzuführen und im Vinaya nachzuweisen (suchen). Wenn das nicht gelingt, so habt ihr den Schluß zu ziehen: ‚Das ist mit Sicherheit kein Ausspruch des Erhabenen, der Bhikkhu hat sich da etwas schlecht gemerkt‘, und müßt also das fragliche Stück verwerfen. Wenn es aber auf das Sutta sich zurückführen läßt oder im Vinaya vorkommt, so habt ihr den Schluß zu ziehen: ‚Das ist mit Sicherheit ein Ausspruch des Erhabenen, der Bhikkhu hat ihn sich gut gemerkt‘. Das betrachtet als das (richtige Sichzunutzemachen der) ersten Haupt-Autorität!“

Der Buddha hatte nur eine Lehre ohne Unterschied gelehrt. Es gibt somit auch nicht wie heute oftmals dargelegt drei Arten von Lehren oder Fahrzeugen. Diese Lehrauslegungen kamen erst viel später durch die Philosophen des Mahayana und Vajrayana auf. Dies gilt auch für die nach dem Palikanon entstandenen Mahayana Suttren. Diese sollen angeblich von transzendenten Buddhas und Bodhisattvas inspiriert sein und wurden dem historischen Buddha sogar untergeschoben, um Ihnen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. 

Vom Buddha wurde jedoch alles zu seinen Lebzeiten und für jedermann ersichtlich (Palikanon) dargelegt:

(D 16,2, 23-24)
„Ich habe die Lehre dargelegt, ohne ein Innen und Außen zu unterscheiden, (denn) in der Lehre eines Vollendeten gibt es nicht die geschlossene Faust des Lehrers (in welcher er gewisse Wahrheiten als Geheimlehre zurückhält).“

In Bezug auf die Lehrdarlegung hat er sich ausdrücklich gegen das Sanskrit entschieden:

Cūḷavagga
Khuddakavatthukkhandhakaṃ
1. Khuddakavatthu

(keine Übersetzung der Lehre in Sanskrit)

Zu jener Zeit waren zwei Brüder Mönche, sie hießen Yamelu und Tekula, sie stammten aus einer Brahmanenfamilie und sie hatten eine ausgezeichnete Stimme mit feinem Ausdruck. Die begaben sich zum Erhabenen, grüßten den Erhabenen ehrerbietig, setzten sich seitwärts und sprachen: „Herr, heutzutage sind Mönche verschiedenen Namens aus verschiedenen Stämmen, von verschiedenem Stand, aus verschiedenen Familien aus dem Haus in den Orden gegangen. Die verderben mit ihren eigenen Dialekten die Sprache des Erwachten. Wohlan, Herr, laß uns die Aussagen des Erwachten in der metrischen Sprache (der Veden) wiedergeben.“ — Der Erwachte wies sie zurück: „Wie könnt ihr so etwas sagen, ihr unvernünftigen Männer. Das führt nicht zur Befriedung solcher, die noch keinen Frieden gefunden haben.“

Nachdem der Erhabene diese Vorhaltungen gemacht und eine Lehrrede gehalten hatte, sprach er: „Mönche, die Aussagen des Erwachten sollen nicht in der metrischen Sprache (der Veden) wiedergegeben werden; wer das tut; begeht eine Verfehlung.

Ich erlaube, daß die Aussagen des Erwachten in der jeweils eigenen Heimatsprache gelernt werden.“

Wir können daher davon ausgehen, dass die Sutten, die in Sanskrit und nicht auch in Pali verfügbar sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf den historischen Buddha zurückzuführen sind, insbesondere dann nicht, wenn diese von den ursprünglichen Lehren abweichen oder Hinzufügungen enthalten.

Das Buddha Dhamma hat inhaltlich fast vollständig überlebt. Der Grund liegt im kompakten Format, geeignet für die einfache verbale Übertragung. In den meisten Fällen ist es eine Zusammenfassung längerer Lehrdarlegungen

Diese Tatsache liefert eine einfache Unterscheidungsmöglichkeit, um die Mahāyāna Literatur auszusortieren, die in Sanskrit geschrieben wurde und nie in Pāli. Also wurden alle Sanskrit Sutras, wenn diese nicht auch im Palikanon so zu finden sind, von mahāyānischen Philosophen geschrieben und sind somit nicht authentisch.

Um die Wende des ersten Jahrtausends begannen die Übersetzungen des Tipitaka ins Chinesische und anschließend ins Tibetische. Damit kann man davon ausgehen, dass die Original-Manuskripte in Pāli die ursprünglichen Diskurse vom Buddha enthalten.

Ein weiteres Kriterium zur Prüfung der Authentizität vermeintlicher Lehren der Buddha gab er in Bezug auf die Auswirkung in der Praxis. Gemeint sind sind alle Lehren, die nicht zur Überwindung des Durstes (tanha) nach Werden im Daseinskreislauf zum Zwecke sinnlichem Erlebens, sondern zum Verbleib im Daseinskreislauf führen (siehe zweite und dritte edle Wahrheit):

AN 7.83. Das wahre Gesetz des Meisters
„Von denjenigen Dingen, Upāli, von denen du merkst, daß sie NICHT zur
völligen Desillusionierung (ekanta-nibbida),
Begierdelosigkeit (virāga), 
Aufhören (nirodha),
Frieden (upasama),
Einsicht (abhiñña),
Erwachen (sambodha) und
Erlöschen (nibbāna) führen,

da magst du, Upāli, mit Sicherheit annehmen, daß dies nicht die Lehre ist, nicht die Zucht, nicht des Meisters Weisung.“

Bis zum heutigen Tag sind alle seine Lehren noch erhalten, in viele Sprachen übersetzt und können, von jedem der möchte, studiert werden. Eine der besten Quellen hierzu findet sich im Internet unter folgendem Link:

https://legacy.suttacentral.net

Diese Schriften werden von allen Schulen des Buddhismus akzeptiert.

Das Studium alleine wird jedoch nicht die Befreiung bringen. Auch der Buddha kann unsere Leiden und Probleme nicht mit der Hand wegwischen. Der erhabene Buddha lädt dazu ein, seine Erkenntnisse selbst auszuprobieren. Das heißt, sich die seiner Lehre zugrunden liegenden Weisheiten anzueignen und ihre Gültigkeit zu prüfen. Dies geschieht, indem man die ursprüngliche Lehre des historischen Buddha studiert, darüber weise reflektiert (yoniso manasikara), und schließlich selbst die Befreiung vom Daseinskreislauf (samsara) erlangt.

Wem ist die Lehre zugänglich?
 
Der Buddha hat seine Lehre des allmählichen Fortschritts für alle Menschen verkündet; auch die mitten im Weltleben Stehenden soll die Lehre läutern und damit glücklicher machen:

"Wenn freilich diese Lehre nur von Herrn Gotama und den Mönchen und den Nonnen, aber nicht von den Anhängern und Anhängerinnen, im Hause lebend, weiß gekleidet, enthaltsam wandelnd, und nicht von den Anhängern und Anhängerinnen, im Hause lebend, weiß gekleidet, Sinnenfreuden genießend, erlangt werden könnte, dann wäre dieses heilige Leben unvollkommen, eben insofern; weil aber diese Lehre sowohl von Herrn Gotama, den Mönchen und den Nonnen, wie auch von den Anhängern und Anhängerinnen, im Hause lebend, weiß gekleidet, enthaltsam wandelnd, und den Anhängern und Anhängerinnen, im Hause lebend, weiß gekleidet, Sinnenfreuden genießend, erlangt werden kann, ist dieses heilige Leben vollkommen, eben insofern." (Majjh. 73)
 
Der Buddha in seiner höchsten Weisheit beschränkte sich in dem, was er verkündete, nur auf das, was unmittelbar zum Heil dient:
Zu einer Zeit weilte der Erhabene zu Kosambi im Sinsapawald. Und der Erhabene nahm wenige Sinsapablätter in seine Hand und sprach zu den Mönchen:

Saṁyutta Nikāya 56.31
Sīsapāvanasutta

'Was meint ihr, Mönche, was ist mehr, diese wenigen Sīsapablätter, die ich in die Hand genommen habe, oder die anderen Blätter droben im Sisapawald?' — 'Die wenigen Blätter, Herr, die der Erhabene in die Hand genommen hat, sind gering, und viel mehr sind jene Blätter droben im Sinsapawald.' — 'So auch, Mönche, ist das viel mehr, was ich erkannt und euch nicht verkündet, als das, was ich euch verkündet habe.

Und warum Mönche, habe ich euch jenes nicht verkündet?

Weil es nutzlos und irrelevant sind
für die Grundlagen des heiligen Lebens,
weil es NICHT zur Desillusionierung,
zur Begierdelosigkeit 
zum Aufhören (des Werdens),
zum Frieden, zur Erkenntnis, zur Erwachung, zum Nibbāna führt.

Deshalb habe ich euch jenes nicht verkündet.

Und was, Mönche, habe ich euch verkündet?

Was das Leiden ist, habe ich euch verkündet;
was die Entstehung des Leidens ist, habe ich euch verkündet;
was die Aufhebung des Leidens ist, habe ich euch verkündet;
was der Weg zur Aufhebung des Leidens ist, habe ich euch verkündet." 

Die Authentizität der frühbuddhistischen Texte: Bhikku Sujato und Bhikkhu Brahmāli


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